Das KKT - Ensemble

Das KKT Ensemble

 

Veronica spielt Trompete - einsam dahin treibend auf einer Eisscholle mitten im weiten Meer. Ihr Solo lässt uns das helle Scheinwerferlicht, den eng begrenzten Raum und die anderen Schauspieler fast vergessen und auch die Tatsache, dass die Trompete imaginär ist, tritt völlig in den Hintergrund. Die Zuschauer halten die Luft an.

 

Das ist Theater, das ist Schauspielkunst. Zu erleben war diese Szene im Rahmen eines offenen Castings, das das KKT am 3. Dezember vergangenen Jahres veranstaltete, um Mitwirkende für eine neue Theaterproduktion und gleichzeitig für die Gründung eines eigenen KKT-Ensembles zu finden. Bereits an diesem Abend war klar, dass sich hier eine bunt gemischte Gruppe von Menschen eingefunden hatte, die ganz unterschiedliche Erfahrungen hinsichtlich ihrer Herkunft, ihres Lebensalters und ihres Theaterengagements mit einbringen. Was sie alle eint, ist die Begeisterung für das Theater.

 

Die Initiatorinnen Antonia Keinz und Naemi Zoe Keuler hatten ursprünglich geplant, mit dem kkt-Ensemble eine bekannte Komödie einzustudieren. Nachdem aber der Verlag die Rechte dafür trotz intensiver Bemühungen nicht freigegeben und die Empfehlung gegeben hatte, doch lieber einen Klassiker zu spielen, beschloss Naemi Zoe Keuler, die auch Regie führen wird, ein eigenes Stück zu entwickeln. Und da die Premiere von Anfang an für November 2009 geplant war, bot sich ein Thema zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls an. In einem Wochenendworkshop entschied sich die Gruppe dafür, das Thema in Form einer musikalischen Revue auf die Bühne zu bringen - Titel: „SpreeWaldGurkenZeit“.

 

In den folgenden, wöchentlich stattfindenden Treffen galt es nun, Ideen zu sammeln, Themenbereiche abzustecken, Geschichten und Erlebnisse ins Gedächtnis zu rufen, die mit der DDR und der Wende in Zusammenhang stehen. Dabei ging und geht es immer wieder auch um die Frage nach Herkunft und Heimat, nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West.

In die Szenen, die Naemi Zoe Keuler schreibt, fließen die Erlebnisse des pensionierten Postbeamten mit einer Liebe zum alten VW-Käfer ebenso mit ein wie die Gedanken und Erfahrungen einer Pantomimin mit italienischen Wurzeln oder der Lebensweg einer ausgebildeten Schauspielerin aus dem fernen Chile, für die Heimat mehr ist als eine Sehnsucht. Vor diesem Hintergrund ist auch klar, dass die Revue kein rührseliges Ostalgiestück werden wird, sondern eine überaus abwechslungsreiche Reise durch die deutsche Geschichte von der Zeit der Teilung bis in die Gegenwart hinein.

Die Rahmenhandlung ist am Rande des Kölner Karnevals angesiedelt, wo die Mitarbeiter der Stuttgarter Firma Schwabentreu GmbH eher widerwillig damit beschäftigt sind, einen Motivwagen zum Thema „Die Mauer“ zu bauen. Daraus ergeben sich natürlich noch einige mentalitätsbedingte Verwicklungen. Ergänzt wird das Ganze durch eine feine Auswahl an Liedern, die die Schauspieler unter der musikalischen Leitung des Pianisten Daniel Sissenich einstudieren. Ein Blick in die aktuellen Proben zeigt, wie dynamisch der Prozess ist, an dem die zwölf Akteure im Alter zwischen  26 und  76 Jahren beteiligt sind. Und vielleicht spielt Veronica am Ende ja wieder Trompete. Premiere ist in jedem Fall am 13. November 2009.